Der Weg ins Düsenzeitalter: ab Mitte März 1960 hatte Lufthansa mit D-ABOB und D-ABOC (im Bild) bereits zwei Boeing 707-430 auf der Nordatlantik-Route im Einsatz.

Mit der Bestellung über 20 Boeing 707 und 25 Douglas DC-8 öffnete Pan American am 13.10.1955 die Tür ins Düsenzeitalter und setzte gleichzeitig ihre Konkurrenten und die beiden größten amerikanischen Flugzeughersteller unter Druck, diesen Weg zu gehen. Bei Lufthansa – die selbst erst wenige Monate zuvor den Flugbetrieb nach zehn Jahren wieder aufgenommen hatte – erkannte man die Gefahr, die für das junge Unternehmen durch diese neue Konkurrenzsituation entstanden war.

Die Boeing 707 war teuer und kam für viele Fluggesellschaften zu früh, auch für die Lufthansa, die bis dahin kaum Gewinne eingeflogen hatte. Doch durch den entstandenen Konkurrenzdruck auf der eben wieder boomenden Nordatlantikroute, konnte man aber auch nicht mehr zurückstehen, denn bereits wenige Wochen nach der Pan Am – Bestellung orderten unter anderem auch Continental, Air France und American Airlines ebenfalls ihre ersten Exemplare des neuen Flugzeugtyps.

Bis Mitte 1956 waren bereits 220 Maschinen bis ins Jahr 1961 fest bestellt und am 24.04.1956, ein Jahr nach der Betriebsaufnahme, gab Lufthansa zunächst vier Exemplare der Serie -400 in Auftrag, deren Antrieb aus vier Rolls-Royce „Conway“ – Motoren bestand. Die Auslieferung des ersten Flugzeuges war für  Januar 1960 geplant – was zwangsläufig bedeutete, dass man in den nächsten vier Jahren immer noch mit Lockheed Super Constellations über den Atlantik fliegen musste, die mit ihren vier Kolbenmotoren mehr als doppelt so lange unterwegs waren, als ihre schnellen Düsenkonkurrenten.

    

Um diesen offensichtlichen Nachteil auszugleichen, beschaffte man bei Lockheed vier Maschinen vom verbesserten Typ  L.1649G Super Star, mit denen man ab 1957 bis zur Auslieferung der ersten Boeing 707 zweimal in der Woche 32 Passagiere in der eigens dafür geschaffenen „Senator“-Klasse nach New York flog. 


D-ALER (auf einer Aufnahme vom Oktober 1959) war eine von vier Lockheed L.1649G Super Star, die Lufthansa ab 1957 auf der Nortdatlantikroute in Dienst stellte. 
 

Das Düsenzeitalter bei Lufthansa beginnt

Etwas mehr als drei Jahre nach der Bestellung machte D-ABOB, die erste Boeing 707 der Lufthansa, am 18.12.1959 ihren Erstflug und wurde am 02.03.1960 nach Hamburg überführt. Zwei Wochen später begann der erste Linieneinsatz auf der Strecke von Frankfurt nach New York – Idlewild, heute besser als JFK bekannt.

Etwa zur gleichen Zeit im Februar 1960 bestellte Lufthansa noch eine fünfte Boeing 707-400 (D-ABOG), die im März 1961 ausgeliefert wurde.

Am 10.03.1960 erhielt Lufthansa mit D-ABOC bereits die zweite Boeing 707, die ebenfalls wenige Tage danach in den Linieneinsatz ging, gefolgt von D-ABOD am 23.04.1960 und vorläufig abschließend D-ABOF als letzte Boeing 707-430 am 01.10.1960. 

Mit steigender Zuverlässigkeit der Boeing 707 konnte man die erst drei Jahre alten L.1649G langsam von der Nordatlantikroute nehmen und bis 1964 auf den kurzlebigen innerdeutschen „Airbus“-Strecken einsetzen.
  16.09.1960: D-ABOC und D-ABOD werden „Berlin“ und  „Frankfurt“
 
Boeing 707: 25 Millionen DM Stückpreis und zu früh auf dem Markt.
Am 16.09.1960 gab es in Frankfurt gleich eine Doppeltaufe: D-ABOC, die seit ihrer Auslieferung namenlos herumflog, wurde vom damaligen Regierenden Bürgermeister Willy Brandt auf den Namen „Berlin“ getauft, direkt im Anschluss daran erhielt D-ABOD den Namen „Frankfurt“.  Zur Veranstaltung waren an diesem Freitag im Frühherbst 1960 zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft geladen, sowie Mitarbeiter und Angehörige der Rathäuser aus Frankfurt und Berlin, der Lufthansa und ebenso auch Vertreter der Presse, denn der prominenteste Gast war zweifellos Willy Brandt, im Jahre 1960 Regierender Bürgermeister von Berlin (West) und späterer Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, der vor den geladenen Gästen seine Rede hielt.  Anschließend taufte er unter aufmerksamer Beobachtung und mit einem ordentlichen Schuss Sekt auf die Flugzeugnase die Maschine auf den Namen „Berlin“
 
Willy Brandt hält seine Rede vor den geladenen Ehrengästen. Im Hintergrund D-ABOC noch ohne Namen.

 

 

Sekt auf die Nase: Der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, tauft D-ABOC auf den Namen „Berlin“. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


D-ABOD Frankfurt

Im Anschluss daran – und nach einer Pause – ging es weiter mit den Flugzeugtaufen, denn nun war D-ABOD an der Reihe, um feierlich den Namen Frankfurt zu erhalten.

Leider konnte ich beim besten Willen bis jetzt nicht herausfinden, um welche Persönlichkeiten es sich auf der Gangway handelt. 
Auch bei der Taufe von D-ABOD wurde unter den strengen Augen des Aufsichtspersonals der Sekt auf die Nase der Maschine gegossen.
Nach dem Ende der Veranstaltung bot sich den Gästen noch ausreichen Gelegenheit, das neueste und modernste Flugzeug der Lufthansa von innen und außen zu besichtigen. 

 

D-ABOD Lufthansa Boeing 707-430 | ln 115 | Frankfurt 16.09.1960
D-ABOD Lufthansa Boeing 707-430 | ln 115 | Frankfurt 16.09.1960
D-ABOD Lufthansa Boeing 707-430 | ln 115 | Frankfurt 16.09.1960

 


D-ABOC flog mit dem Namen „Berlin“ bis zum 19.12.1976 für Lufthansa. Im Juni 1977 wurde sie an einen amerikanischen Flugzeughändler verkauft und zu einer Frachtmaschine umgebaut. Im Dezember 1982 wurde sie nach langer Standzeit in Tripolis unter dem Kennzeichen 5A-CVA der United African Airlines ausgeschlachtet.

Ihre Gesamtflugzeit betrug bis zu diesem Zeitpunkt 66101 Stunden.

 

D-ABOD „Frankfurt“ wurde am 30.11.1975 außer Dienst gestellt und befindet sich seit März 1976 abgestellt als D-ABOB in Hamburg, wo sie jahrelang als bei Lufthansa Technik als Trainingsobjekt für die Lehrlingsausbildung genutzt wurde. Im Jahre 1976 wurde sie als „Airforce One“ 62-6000 für Filmaufnahmen genutzt. 

Gesamtflugstundenzahl: 59024 Stunden.  
 
 
Im Sommer 2020 wurde die Verschrottung dieser Maschine beschlossen.