Willy Brandt spricht vor den geladenen Gästen. Im Hintergrund die noch namenlose Maschine

Am 16.09.1960 gab es in Frankfurt gleich eine Doppeltaufe: D-ABOC, die seit ihrer Auslieferung namenlos herumflog, wurde vom damaligen Regierenden Bürgermeister Willy Brandt auf den Namen „Berlin“ getauft,  im Anschluss daran erhielt D-ABOD den Namen „Frankfurt“. 

Zur Veranstaltung waren an diesem Freitag im Frühherbst 1960 zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft geladen, sowie Mitarbeiter und Angehörige der Rathäuser aus Frankfurt und Berlin, der Lufthansa und ebenso auch Vertreter der Presse.

Doch der prominenteste Gast war zweifellos Willy Brandt, im Jahre 1960 Regierender Bürgermeister von Berlin (West) und späterer Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, der vor den geladenen Gästen seine Rede hielt.  

Anschließend taufte er unter aufmerksamer Beobachtung und mit einem ordentlichen Schuss Sekt auf die Flugzeugnase die Maschine auf den Namen „Berlin“

 
Sekt auf die Nase: D-ABOC heißt jetzt "Berlin"...
..und D-ABOD "Frankfurt"

Nach dem Ende der Veranstaltung bot sich den Gästen noch ausreichend Gelegenheit, das neueste und modernste Flugzeug der Lufthansa von innen und außen zu besichtigen.

D-ABOD „Frankfurt“ wurde am 30.11.1975 außer Dienst gestellt und befindet sich seit März 1976 abgestellt als D-ABOB in Hamburg, wo sie jahrelang bei Lufthansa Technik als Trainingsobjekt für die Lehrlingsausbildung genutzt wurde. 

Im Jahre 1976 wurde sie als „Airforce One“ 62-6000 für Filmaufnahmen genutzt.  

Die Gesamtflugstundenzahl dieser Maschine lag bei ihrer Stillegung bei 59024 Stunden. 

Im Sommer 2020 wurde die Verschrottung dieser Maschine beschlossen.

D-ABOC flog mit dem Namen „Berlin“ bis zum 19.12.1976 für Lufthansa. Im Juni 1977 wurde sie an einen amerikanischen Flugzeughändler verkauft und zu einer Frachtmaschine umgebaut.

Im Dezember 1982 wurde sie nach langer Standzeit in Tripolis unter dem Kennzeichen 5A-CVA der United African Airlines ausgeschlachtet. 

Ihre Gesamtflugzeit betrug bis zu diesem Zeitpunkt 66101 Stunden.

Die Serie 420 wurde von vier Rolls-Royce Conway 505 / 508 Turbofans angetrieben, die etwa acht Tonnen Schub lieferten. In den Triebwerkaufhängungen der Motoren Nr. 2, 3 und 4 befanden sich die Lufteinläufe der Kompressoren für die Kabinenbelüftung.

Facts


 

Lufthansa hatte fünf Boeing 707-430 im Einsatz und war – vor der britischen B.O.A.C – der erste Betreiber dieser Baureihe, von der nur 37 Maschinen gebaut wurden

Ein Turbofan-Triebwerk vom Typ Rolls-Royce Conway lieferte knapp 8000 kg Schub

Die letzten beiden Stellen in der Typenbezeichnung stehen für den Kundencode, den Boeing mit der Boeing 707 einführte. Lufthansa bekam die 30 zugewiesen, die 20 war für Boeing reserviert

Für den 8100 Kilometer langen Überführungsflug von Seattle nach Hamburg benötigte die fast leere D-ABOB etwas mehr als neuneinhalb Stunden.

7100 km war die maximale Reichweite einer vollbeladenen B707-420, vollgetankt und beladen mit 10 Tonnen Nutzlast sogar 9100 km

Leer wog die Maschine knapp 90 Tonnen, 142 Tonnen betrug das Maximalgewicht

Die Boeing 707-420 hatten eine Spannweite von 43,50 m, eine Länge von 45,60 m und waren 12,85 m hoch

Anfangs gab es in der knapp 34 Meter langen Kabine 148 Sitzplätze – mehr als doppelt soviel wie in der Super Constellation. Später wurde die Kabine mit 189 Sitzen ausgestattet

Von insgesamt 31 Boeing 707 und 720 gingen zwischen 1960 und 1984 zwei Boeing 707-330 (1973 und 1979) und zwei Boeing 720 (1961 und 1964) durch Unfälle verloren. 

Lufthansa setzte die Serie 400 noch bis in die 70er Jahre ein, doch die Ölkrise von 1973 und neue gesetzliche Regelungen zum Lärmschutz sorgten für ein absehbares Ende dieser Maschinen aus der ersten Jet-Generation.

Zwar übernahm Condor Mitte der 70er Jahre kurzzeitig einige Exemplare, doch gegen Ende 1975 begann die Ausmusterung aller Boeing 707-430, die  während ihrer 15jährigen Einsatzzeit Passagiere und Fracht unfallfrei zu ihren Reisezielen gebracht hatten.  

Heute existiert mit der ehemaligen D-ABOD die einzige originale Boeing 707-430. Die Maschine ist seit 1976 auf dem Hamburger Flughafen abgestellt. 

Im Sommer 2020 wurde beschlossen, die mittlerweile sechzig Jahre alte Maschine vom Gelände zu entfernen und verschrotten zu lassen.